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Elisabeth Kassal - aus dem Elfenbeinturm

Elisabeth Kassal wurde in Klagenfurt geboren. Während des Studiums zog es sie schon auf und hinter die Bühne. Neben ihrer leidenschaftlichen Bearbeitung von Kinder- und Jugendstücken an der Oper und im Next Liberty hält sie auch Opernworkshops für Schulklassen und junge Menschen. Ihr Talent, die eigene Begeisterung und Leidenschaft mit jeder Faser auszudrücken, das Positive herauszustreichen und jede auch noch so kleine Begabung im Anderen zu erkennen macht sie zu einer Gallionsfigur der Opern- und Theaterpädagogik in der Steiermark. Klassik4Kids traf die vielbeschäftigte Regisseurin auf eine unterhaltsame und vorbei rasende Stunde.

Informationen zu den Workshops unter http://www.oper-graz.com/operaktiv.php. 

 

K4K: Wie sind Sie dazu gekommen, an der Oper und im Next Liberty zu arbeiten?

EK: Ich bin auf verschlungenen Pfaden dazu gekommen. Ich habe eigentlich Germanistik (Studium der deutschen Sprache und der Literatur dazu) studiert, weil ich meinen größten Interessen nach der Schule folgen wollte – Literatur und Sprache. Dabei habe ich mitten im Studium nicht mehr richtig gewusst, wo ich danach hingehören werde. Ich dachte mir, jetzt ist es da im Elfenbeinturm schön und spannend, aber was tue ich danach. Da habe ich mich auf die Suche nach Praktika begeben, um herauszufinden, wo ein Platzerl für mich sein könnte. Ich habe es bei Verlagen, Zeitungen und eben auch bei Theatern in Graz versucht. Ich wollte mir einfach die Füße nass machen und herausfinden, wie spannend ist es als Germanist tatsächlich, beispielsweise Verlagslektor zu sein, was man den ganzen Tag tut und so weiter.

Das eigene Kopfkino auf die Bühne stellen zu dürfen ist das Schönste an der Regiearbeit!

Ich habe fast keine Antworten bekommen auf meine Bewerbungen, außer von Michael Schilhan, dem Intendanten des Next Liberty, der mir aber vom Fleck weg eine Regieassistenz anbot – gar kein Praktikum. Ich wurde in’s kalte Wasser gestoßen, sozusagen und bin zu meiner ersten Regieassistenz für das Kindermusical „Oliver Twist“ gekommen. Kindermusicals sind ja immer eine Zusammenarbeit zwischen Next Liberty und Oper, so habe ich auf einen Schlag beide Häuser und ihre Arbeitsweisen kennengelernt.
Durch einen weiteren Zufall kam ich dazu, Regie bei Projekten mit dem Kinderchor der Oper zu führen. Die vorgesehene Regisseurin ist ausgefallen und ich hab mich ganz frech und naseweis gemeldet, dass ich die Arbeit gerne machen würde. Der damalige Operndirektor musste das ein paar Tage verdauen, kam dann aber ganz erstaunt zu mir und meinte, niemand hätte etwas dagegen, dass ich es machen würde. Das Stück war „Aglaia Federweiß“ 2007.

K4K: Ein Literaturstudium bereitet einen ja nicht unbedingt auf Regiearbeit vor. Wie sind Sie an die Sache heran gegangen?

EK: Ich war ja schon viele Jahre Regieassistentin und habe das Handwerk von der Praxisseite

gelernt.
Viele empfinden es so, dass sie gerne die Arbeit hinter dem Regisseur machen, quasi in der zweiten Reihe, die die Organisation und die Abläufe genau das sind, was sie lieben. Andere wiederum wollen das Ruder gerne selber in die Hand nehmen. Bei mir war der Drang da, es selber zu machen.

K4K: Was ist das Schönste an der Regiearbeit?

EK: Das eigene Kopfkino auf die Bühne stellen zu dürfen. Wenn das gelingt – in der Fantasie ist es natürlich viel leichter, Peter Pan zum Fliegen zu bringen, dann ist es schön. Ebenso wie wenn ich sehe, dass das, was ich mit jungen Menschen erarbeitet habe, eine gewisse Eigendynamik bekommt. Wenn eine Idee oder ein Funke überspringt.

K4K: Macht Ihnen die Arbeit mit jungen Menschen Spaß?

EK: Unglaublich viel. Wenn einem die Arbeit mit Kindern nicht liegt, dann sollte man ganz dringend die Finger davon lassen.

K4K: Kinder sehen klassische Musik oft fälschlicherweise als „verstaubt“. Welchen Zugang wählen Sie, um das Bild der Klassik gerecht zu präsentieren?

EK: Bei den Regiearbeiten ist der Schritt schon getan. Die Kinder aus der Singschul’ haben schon eine Freude am Singen und auch genug Berührung mit der klassischen Musik gehabt. Kindliche Neugier wird dann natürlich auch noch mit dem Theatervirus angesteckt, wenn die jungen Sänger Bühnenluft schnuppern, sich verkleiden dürfen, mitspielen dürfen. Da springt ein Zauber über…

Wenn einem die Arbeit mit Kindern nicht liegt, dann sollte man ganz dringen die Finger davon lassen.

K4K: Und bei den Workshops?

EK: Da kommen natürlich viele Kinder, die noch keinen Kontakt mit Klassik hatten und auch die Einstellung haben: „Oper, oh Gott, wie schrecklich!“. Meistens finden die Teilnehmer aber irgendeinen Zugang. Über das Mitspielen, über die Musik, über den Live-Effekt dann in der Oper…

Die meisten Teilnehmer glauben beispielsweise, dass die Opernsänger über ein Mikrofon singen und dass auch das Orchester verstärkt wird. Tatsache ist, dass niemand ein Mikro hat, alles „natur“ ist und

 

live, wenn einer einen Fehler macht, dann macht er einen Fehler.

Wenn am Ende ein Hardcore-Skeptiker immer noch sagt, das ist einfach nicht mein Ding, dann muss ich das auch akzeptieren.

Ehrlich gesagt, ich bringe so überhaupt kein Interesse für Sportveranstaltungen mit, da würde ich freiwillig nicht hingehen, bin eine verlorene Seele für eine Skiarena, also muss ich akzeptieren, wenn jemand sich nicht für die Oper erwärmt.

K4K: Wie war das Leben der Elisabeth Kassal vor dem Studium?

EK: Ich ging mit fünf Jahren in den Ballettunterricht und war verloren. Natürlich hatte ich auch meine Krisen, die meine Mutter aber sehr gut überbrückt hat, indem sie sagte: „Unter dem Jahr aufgeben gibt es nicht, mach das Jahr fertig und schau dann weiter“.
Mit 10 oder 11 Jahren habe ich mich mit dem Gedanken getragen, aufzuhören. Meine Motivation, wieder hinzugehen, war aber, dass ich die Musik zu sehr vermissen würde.
In meinem Freundschaftsbuch, wo ich mich selber beschreiben sollte, stand unter „Lieblingsmusik“ Der Nussknacker drinnen.

K4K: Gibt es ein Leben neben der Oper?

EK: Wenig, aber doch. Ich versuche, möglichst viel zu reisen. Durch die langen Sommerferien kann ich wochenlang verreisen. Heuer möchte ich Richtung Italien reisen. Letztes Jahr war es Frankreich, im Jahr davor Spanien. Ich fahre sehr gerne mit dem Zug, einfach in’s Blaue.
Musik höre ich phasenweise. Wenig Pop, dafür Jazz oder Tango. Manchmal ist Stille aber auch das Wertvollste für mich.

K4K: Welches Stück wäre ein Traumstück für die Regiearbeit?

EK: Wahrscheinlich kann alles, wofür man sich interessiert und wo man sich einarbeitet, das Traumstück werden. Wahrscheinlich ist das Stück, das man gerade bearbeitet, das Lieblingsstück.

 

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