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Michi GAIGG - auf Harnoncourts Spuren

Michi Gaigg. Sie heißt Michi. Ungewöhnlich, nicht wahr? Ungewöhnlich ist nicht nur der abgekürzte Vorname, auch die Tatsache, dass sie als Nachfolgerin des großen Nikolaus Harnoncourt gilt erweckt unser besonderes Interesse. Und dann hat sie auch noch eine besondere Liebe zur Musik der Barockzeit. Liegt ja auch nicht gerade um die Ecke, die Barockmusik.

Jedenfalls trafen wir eine sehr sympathische und sehr besonnene Frau, die mit diesem Privileg (das ist etwas Besonderes) verantwortungsvoll umgeht. Im Konzert merkte man nicht nur ihre Liebe zur Musik (und an jenem Abend wurde nicht einmal Barockmusik aufgeführt), es war vor allem die Liebe, mit der sie ihre Musiker leitete, die uns so beeindruckte. Dirigieren ist ja oft nur das "Wachteln mit den Händen". Im Fall von Michi Gaigg war es viel mehr. Es war ein Blitzen und Leuchten in den Augen, ein Lächeln auf den Lippen und ein Blick, der den Musikern genau diese Emotionen vermittelte, die sie dann auch umsetzten.

Im Gespräch durften wir alle Fragen stellen, alles erfahren, was uns interessierte. Worum es gegangen ist? Lies doch einfach nach!

K4K: Es gibt immer noch wenige Dirigentinnen, obwohl wahrscheinlich insgesamt mehr Frauen Musik machen. Wie empfinden Sie das?

MG: Unter den Streichern gibt es mehr Frauen als Männer.

K4K: Haben Sie das Gefühl, dass sie mit anderen Augen betrachtet werden, weil Sie eine Frau sind?

MG: Das ist länderspezifisch. Es gibt Länder, die sind da sehr offen, aber gerade in Österreich ist es noch schwer. Darüber habe ich aber eigentlich nie nachgedacht.

K4K: Warum wollten Sie eigentlich Dirigentin werden?

MG: Ich hatte nie vor, Dirigentin zu werden. In den 80er Jahren [Anm.: das sind die Jahre von 1980 bis 1989] waren Barockorchester nicht sehr häufig zu finden. Es gab nicht diese Selbstverständlichkeit von heute. Ich war aber so begeistert von diesem Klang!

Manche Professoren am Mozarteum haben die Studierenden sogar hinausgeschmissen, wenn sie Kurse bei Harnoncourt besucht hatten.

K4K: Dabei hatte man Ihnen ja davon abgeraten, bei Nikolaus Harnoncourt zu lernen...?

MG: Damals, an der Musikhochschule in Salzburg, am Mozarteum, wurde das überhaupt nicht gerne gesehen. Manche haben ihre Studierenden sogar hinausgeschmissen, wenn sie Kurse bei Harnoncourt besucht hatten. Als ich dann Feuer gefangen hatte bin ich nach meinem Studium nach München gegangen, da habe ich mit einem Freund zusammen ein Ensemble [Anm.: eine Musikergruppe] gegründet, mit dem wir Bach-Kantaten gespielt haben. So fing das alles an. Es war unheimlich viel Leidenschaft vorhanden!

K4K: Haben Sie damals schon auf einem historischen Instrument gespielt? [Anm.: das sind Instrumente aus der damaligen Zeit]

MG: Ja, schon länger.

Die klassische Musik wird nie aussterben! Das ist doch die einzige Sprache, in der sich die ganze Welt verständigen kann.

K4K: Wie ging es dann weiter?

MG: Wir haben mehr und mehr gespielt, bekamen auch mehr Auftrittsmöglichkeiten und irgendwann dachte ich mir, dass ich nicht immer von der Geige aus ein Orchester leiten kann. Als Geigerin muss ich mich ja auch um mich selber kümmern. Ich muss schön und stark spielen und alles hören, die Proben leiten und vieles mehr. Außerdem war ich zwar eine gute Geigerin, aber nicht gut genug, dass ich mich nicht um mich selber kümmern müsste. Das Ensemble wurde dann auch größer, ist gewachsen. Und da habe ich beschlossen, dass es besser wäre, wenn ich vorne stünde und dirigiere.

K4K: Wann haben Sie dann eigentlich begonnen, die Geige zu erlernen?

MG: Ich war relativ spät dran, mit 13 Jahren. Meine Mutti hat es sehr gut gemeint und mich bei einer Nachbarin Klavier lernen lassen. In den Sommerferien war ich immer bei meiner Großmutti in einem einsamen Tal und dort gab es einen Buben, der Geige gespielt hat. Da wusste ich, das wollte ich auch! Meine Eltern haben geglaubt, das wäre nur eine Phase, aber ich wollte einfach eine ganz große Geigerin werden.

K4K: Gab es auch Vorbilder?

MG: Ich habe einmal jemanden im Fernsehen gesehen, der Tschaikowskys Violinkonzert gespielt hat. Allerdings weiß ich nicht mehr, wer das war. Wir hatten auch keinen Fernseher, das war bei irgendwelchen Leuten, aber es war beeindruckend!

K4K: Gibt es einen Lieblingskomponisten?

MG: Naja, das ist klar [Johann Sebastian] Bach. Er ist wie mein Glaubensbekenntnis *lacht*. Dann kommt aber gleich Mozart. Prinzipiell ist das, was man gerade macht auch das, was man im Moment am meisten liebt.

Johann Sebastian Bach ist wie mein Glaubensbekenntnis.

K4K: Haben Sie das Gefühl, dass diese Wunderwelt der klassischen Musik bei uns ihren Stellenwert immer mehr verliert und langsam ausstirbt oder meinen Sie, dass das schon vergangene Generationen behauptet haben und trotzdem lebt die Klassik weiter?

MG: Diese Musik wird nie aussterben! Das ist doch die einzige Sprache, in der sich die ganze Welt verständigen kann. In der man Gefühle austauschen kann, ohne ein Wort zu sprechen. Gute und schöne Musik verbindet. Ohne... das wäre undenkbar!!!

K4K: Abseits von der Musik, was machen Sie noch gerne?

MG: Ich bin wirklich gerne in der Natur. Und ich treffe gerne meine Freunde. Und ich höre gerne Musik. Das muss nicht Klassik sein.

 

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