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Th. P. - Nicht jeder Räuber kann Cellist werden

Thomas Platzgummer
Vorweg gesagt: Jedes Gespräch, das wir mit KünstlerInnen führen ist für uns etwas Besonderes. Manche Gespräche sind aber besonderer. Warum? Können wir auch nicht sagen. Manchmal liegt es an den Themen, die aufkommen, manchmal an der eigenen Verfassung und manchmal am Gegenüber.

Thomas Platzgummer, Cellist, Dirigent und steter Organisator neuer Dinge ist das etwas andere Gegenüber. Ein Mensch, der mit den Augen lächelt, wenn er von Musik spricht. Dem die Liebe zu Nachwuchsklassikern ins Gesicht geschrieben ist und der in keine Schublade passt, weil er einfach zu viele davon besetzt.

Mit uns hat er über Musik gesprochen - klar, über Projekte und über seine Familie. Einfach nachlesen.

K4K: Sie sind ja Dirigent und Cellist. Wovon machen Sie mehr?

TP: Momentan bereite ich mich auf das Jubiläumskonzert des Johann-Joseph-Fux Konservatoriums vor, das nimmt viel Zeit in Anspruch. Unterrichten tue ich nebenbei auch immer und dann habe ich noch ein Kantatenprojekt...

K4K: Haben Sie eine Vorliebe für die Barockmusik?

TP: Das kann ich so nicht sagen. Heutzutage wird man schnell eingeteilt. Man spielt einmal ein Genre und gilt dann als "Spezialist". Aber wenn das jemand braucht, bin ich gerne für alles mögliche Spezialist. Ich brauche das aber nicht (lacht). 

Ich bin gerne für alles mögliche Spezialist. Brauchen tue ich das aber nicht.

K4K: Und das Dirigieren, gibt es ein Wunschprojekt?

TP: Es ist immer spannend, was wie und wo zustande kommt. Auch Dinge, die ich noch nie zuvor gemacht habe können unglaublich spannend sein, man liest sich ein, lernt viel kennen... Am Ende steht ein zweistündiges Konzert, davor aber gibt es unglaublich viel Recherche und so viel Neues für einen persönlich. 

K4K: Und wenn es um die Organisation eines Konzertes geht, wie suchen Sie ein Programm aus?

TP: Da schau ich auf die Jahreszeit, auf den Ort und so weiter. In Graz haben wir Haydns "Il mondo de la luna" gespielt. Warum? Weil wir auf der Suche nach einer geeigneten Spielstätte auf das Institut für Weltraumforschung gestoßen sind. Eine große Halle...

K4K: Wie wurde das Konzert vom Publikum angenommen?

TP: Sehr gut. Nur waren wir werbetechnisch als kleines Team nicht so gut aufgestellt. 

K4K: Wie sehr muss man auf das Publikum Rücksicht nehmen, wenn es um die Programmgestaltung geht?

TP: Gerade beim Abopublikum kann man ruhig etwas frecher sein und ein ganzes Programm komplett neu gestalten. Wenn der Solist besonders gut ist, dann kommen die Leute. 

K4K: Wie sieht es mit dem Cellospiel aus?

TP: Ich spiele momentan sehr viel Barockcello. Die Abwechslung ist, was ich liebe. Und Spezialist für das zu sein, was ich gerade mache. Ob Bach, Strauß, Ligeti oder Eröd... 

K4K: Sie müssen ein Stück wirklich verstehen, um es spielen zu können. Nicht Takt für Takt erarbeitet, sondern vor allem das Ganze klar machen?

TP: Jedes Stück erzählt eine Geschichte. Darauf muss man kommen. Das ist auch der Zugang für junge Menschen, um die klassische Musik zu verstehen. 

Es kommt auch darauf an, wie man aufwächst. Meine Kinder beispielsweise haben am Klavier einfach geklimpert mit Freude. Dann spielen sie wie ein Eichhörnchen, wie ein Mond oder was sonst nicht. Erst mit dem Unterricht wird das ganze dann in Bahnen gelenkt und reglementiert. 

Für mich ist immer spannend, dass man sich nicht verliert. Je nachdem, welches Werk das ist, ist es ein Zusammensetzen von Mosaiksteinen. Ich kann ein kleines Steinchen sehen, ich kann aber auch aus dem Bild gehen und das Ganze sehen.

K4K: Wie alt sind Ihre Kinder?

TP: Drei und zehn Jahre. Die Große spielt schon Cello. 

K4K: Eine gute Idee, wenn Vater und Mutter auch dieses Instrument spielen?

TP: Das haben wir uns so nicht ausgesucht. Sie war drei und wir sprachen darüber, was ein Räuber ist. Ich habe ihr gesagt, ein Räuber ist jemand, der nimmt jemandem etwas weg, obwohl es ihm nicht gehört. Sie fragte dann, warum er das tut. Ich meinte, wahrscheinlich hat er selber nix oder kein Geld verdient. Daraufhin meinte sie, warum er nicht Cello spielt. Für sie scheint es klar zu sein, dass wenn man Geld verdienen muss muss man Cello spielen. (lacht)

K4K: Halten Sie die Anfänge des Cello-Erlernens aus als Profi?

TP: Wichtig ist, dass man zuhört. Generell ist es das bei Musik. Steht bei meinen Schülern ganz oben auf der Liste. 

"Zuhören" steht bei meinen Schülern ganz oben auf der Liste.

K4K: Wie alt sind die Schüler am Konservatorium durchschnittlich?

TP: Von dreienhalb Jahren bis sechzig Jahren. Ich habe mit Vier-, Fünfjährigen gute Erfahrungen gemacht... Die brauchen dann aber noch stark die Unterstützung der Eltern. Gut ist auch, wenn ein Zeitplan erstellt wird. Da tun sich die Kinder leichter. 

Alle, die wenig und weniger üben, spielen irgendwann nicht mehr, weil das Erfolgserlebnis ausbleibt. Wenn man immer dran bleibt ist es selbstverständlich. Man hat nicht immer Lust, aber man freut sich später, dass man dran geblieben ist. 

Ich mache viele Vorspielstunden, da kommen die Schüler nicht aus. Wer will spielt bis zu acht Mal pro Jahr vor. Und spätestens in der Woche vor der Vorspielstunde wird richtig geübt. Deswegen ist es gut, wenn oft Vorspielstunde ist (lacht). 

K4K: Übt Ihre Tochter freiwillig?

TP: Nicht immer. Auch hier gibt es Kämpfe. Aber wenn dann der Erfolg eintritt ist es spannend und das Kind kann es kaum fassen...

Es wird Eltern nicht erspart bleiben, die Kinder zum Üben zu treiben. Und oft höre ich, das ist Erpressung - aber das ist es im umgekehrten Sinne auch. Wenn das Kind sagt, ich übe nur, wenn ich dann Fernsehen darf... 

K4K: Unterrichten Sie Ihre Tochter selber?

TP: Ja, und das geht eigentlich gut. Wir haben immer viel Spaß und ich denke, ich habe einen guten Draht zu Kindern. Es ist einfach immer spannend, wie man jemanden "packt", womit man die Kleinen motivieren kann. Gewaltiges Lob und Begeisterung und zur Belohnung dürfen die Kinder dann sogar noch eine Tonleiter spielen. (lacht)

Die Kinder DÜRFEN ein Instrument spielen, aber es muss auch geübt werden. Das muss klar sein.

Die Kinder DÜRFEN ein Instrument spielen, es ist aber klar, dass sie, wenn sie sich für ein Instrument entscheiden, auch üben müssen. Da kann es vorkommen, dass wir an manchen Tagen sehr lange sitzen, weil meine Tochter mir dazwischen unheimlich viel zu erzählen hat. Und ich höre mir die Geschichten auch sehr gerne an. Oder sie muss zehnmal aufs Klo und dreimal Wasser trinken.

K4K: Wie kommt man dazu, Cellist zu werden? Als Fünfjähriger wollten Sie bestimmt Feuerwehrmann oder Polizist werden?

TP: Ich wollte Gitarre lernen, weil bei uns zuhause musiziert wurde. Die Warteliste für Gitarre war drei Jahre. Der Musikschuldirektor hat mir geraten, Cello zu lernen. Anfangs war es schwierig, weil die Motivation meines Lehrers war, seine Schüler jede Woche mit Noten zu bewerten. Bei Platzgummer stand immer "befriedigend" und "genügend", was als Motivation für mich nicht funktioniert hat. 

Manche brauchen Druck und manche nicht. Ein guter Lehrer erkennt das. Ich habe dann die Schule gewechselt und mein neuer Lehrer hat immer gemeint: "Übertreib's nicht". Das hat mir getaugt, da hab ich dann viel geübt. Dann kamen auch erste Kammermusikmöglichkeiten und Auftritte dazu. 

K4K: Ist das nicht ein grundsätzliches Problem unseres Systems? Alle üben für sich alleine...

TP: Ohne Orchester wäre ich nie Musiker geworden, das war sehr wichtig für mich. 

K4K: Haben Sie Dirigieren studiert?

TP: Da hat mich die viele Theorie abgeschreckt. Das hätte es mir verleidet. Mit dem Cello konnte ich im Orchester spielen und vieles mehr. Und bis man einmal vor dem Orchester stehen darf vergehen Jahre, das wollte ich nicht.

K4K: Wo Sind Sie dann eigentlich zuhause?

TP: In Graz. Es gibt schon Projekte, die mehrere Wochen dauern, allgemein mache ich aber eher Projekte, wo ich in wenigen Tagen wieder zurück bin. "La Traviata" vor einigen Jahren in Vorarlberg hat mich 9 Wochen weggeführt, aber da waren zeitgleich Sommerferien und ich konnte die Familie mitnehmen.

 

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