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Florian Groß - da wird wohl Nomen Omen.

In Aktion | Foto: © Florian Groß
Florian Groß ist ein Grazer "Produkt". An der Kunstuniversität Graz ausgebildet bekommt er in jungen Jahren die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. Wie so oft muss man sich seine Sporen erstmals außerhalb des eigenen Landes verdienen. Auch Florian Groß wird dies tun - in Hannover, als Solokorrepetitor mit Dirigentenverpflichtung.

Wir haben Florian zum Gespräch getroffen. Ein ruhiger, überlegter Mann, der genau weiß, was er will, was er kann und was sein soll oder muss. Der den Eindruck vermittelt, nichts versäumt zu haben, dennoch einen heute beinahe unüblichen organisierten Lebensstil und eine konkrete Zukunftsplanung an den Tag zu legen. Ein junger Beweis, dass es nicht nur dann dem Zeitgeist entspricht, wenn man hinter Handybildschirmen verschwindet und dröhnende Musik aus Kopfhörern ständige Begleiter sind...

K4K: Was machst du eigentlich?

FG: Die Aufgabe eines Dirigenten ist es, die endgültigen musikalischen Entscheidungen zu treffen. Wenn man als Dirigent vor dem Orchester steht, gibt es immer Fragen, die die Partitur [Anm.: das ist ein Buch mit allen Noten, die jedes Instrument eines Orchesters spielt] aufwirft. Der Dirigent ist dann verantwortlich für das Zusammenspiel, die Klanggestaltung.

K4K: Du sagst den Musikern, wo sie schneller oder langsamer, oder lauter oder leiser spielen sollen?

FG: Genau. Idealerweise zeigt das Schlagbild [Anm.: wenn der Dirigent die Arme hebt und senkt] so viel, dass man nicht viel sagen muss. Wenn ich "schneller" sagen muss ist das eigentlich ein Problem. Je jünger man ist, umso "gefährlicher" ist es mit dem Orchester. Manche Musiker spielen seit Jahrzehnten in ihren Stimmgruppen und dann kommt ein junger Dirigent und meint, man müsse so oder so spielen. Das ist eine Gradwanderung und man benötigt ein gesundes Maß an Menschenverständnis. Die Musiker in einem Orchester sind gut ausgebildet und man muss einfach aufpassen, wie viel man sagt. Wenn man etwas sagt muss es Hand und Fuß haben, dann wird es funktionieren. Einfach nur abzubrechen und dann zu sagen "Von Vorne" reicht nicht.

Man macht nicht Matura und meint dann: "Ich werde Dirigent oder Korrepetitor"

K4K: Und die Funktion des Korrepetitors?

FG: Als Korrepetitor ist man vor allem beim Einstudieren des Werkes tätig. Man muss mit den Sängern und Sängerinnen vorarbeiten, dass die dann mit dem Orchester weiter arbeiten können.

K4K: Korrigiert auch der Korrepetitor bei der Einstudierung oder werden die Vorgaben von jemandem Anderen gemacht?

FG: Als Solokorrepetitor ist man alleine, macht das gesamte Werk mit dem Sänger durch, erarbeitet alle Stellen. Bei der Chorprobe ist dann schon ein Dirigent dabei. Im Opernhaus gibt es noch den musikalischen Leiter, der die Musik mit dem Orchester einstudiert und bei den Proben dirigiert. So kann sich der Sänger auf das Schlagbild einstellen.

K4K: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Korrepetitor zu werden? Den Beruf kennt ja schon beinahe niemand...

FG: Man macht nicht Matura und meint dann: "Ich werde Dirigent oder Korrepetitor".

Ich hatte nie Druck. Meine Eltern haben mich in allem, was ich gemacht habe, unterstützt.

K4K: Es ist nicht so, dass man beispielsweise Claudio Abbado [Anm.: ein berühmter, inzwischen verstorbener italienischer Dirigent] sieht und begeistert ausruft: "Das will ich auch machen!"

FG: Nein, man muss sich sein ganzes Leben damit beschäftigen und fängt irgendwann an, kleine Ensembles zu leiten, Kammermusik zu spielen, Chöre zu korrepetieren, Stimmproben bei kleineren Orchester zu machen.

Ich komme vom Klavier, habe seit meinem sechsten Lebensjahr sehr viel Klavier gespielt und bin dann über das Korrepetieren von Chören immer mehr hinein gerutscht.

K4K: Wenn du mit sechs Jahren begonnen hast, gab es dann zwischenzeitlich nicht auch Phasen, wo es dich einfach "angezipft" hat?

FG: Natürlich, das ist aber auch verständlich. Bei der Breite an Musik, die es heute gibt, wird kein Zehnjähriger sagen: "Ich möchte unbedingt Beethovens 7. Symphonie hören". Das Interesse muss man bekommen. Wenn man nicht den ganzen Tag Ö1 laufen hat kommt man als Kind und Jugendlicher mit dieser Musik nicht gerade oft in Kontakt.

K4K: Wie bist du mit klassischer Musik in Kontakt gekommen?

FG: Das war eher Zufall. Wir hatten immer ein Pianino [Anm.: ein kleines Klavier] zuhause, mein Vater hat dann Klavier Unterricht bekommen, ich war da immer dabei und hab so Interesse entwickelt. Mein Lehrer hat mich sehr gefördert. Es hat sich auf alle Fälle ausgezahlt. Natürlich ist es mit Arbeit verbunden, aber ein Profisportler muss auch jeden Tag trainieren. Und hin und wieder möchte man auch nur seine Ruhe haben.

K4K: Und deine Eltern? Haben sie dir nie geraten, etwas "Gescheites" zu machen?

FG: Nein, ich hatte nie Druck. Meine Eltern haben mich in allem, was ich gemacht habe, unterstützt.

K4K: Gibt es oder gab es Einschränkungen?

FG: Tennis zum Beispiel wurde mit der Zeit problematisch. Meine Finger sind doch wichtig und in der Phase des Wachstums musste ich aufpassen. Außerdem fehlte irgenwann die Zeit.

K4K: Ist der Weg, den du jetzt einschlägst der, den du dir von der Wunschfee gewünscht hättest?

FG: Ja. Für 24 Jahre bin ich relativ früh dran. Ich habe wahrscheinlich noch eher die Möglichkeit, Fehler zu machen.

K4K: Birgt dein Alter auch Gefahren?

FG: Man muss aufpassen, dass es nicht zu schnell geht. Ich bin ein Fan von Zurückhaltung. Manchmal gibt es "Stars", die schnell zu Erfolg kommen und dann geht nichts mehr weiter.

K4K: Was macht mehr Freude, das Korrepetiere oder das Dirigieren?

FG: Das ist schwer. Aber Dirigieren ist super! Wenn das Orchester gut spielt gibt einem das viel zurück. Man muss generell versuchen, die Sachen, die man macht, gut zu machen.

K4K: Wo soll das Ziel der Reise liegen?

FG: Mir geht es um Produktionen. Ich muss nicht im Lebenslauf stehen haben, dass ich irgendwelche Philharmonischen Orchester in einem berühmten Saal dirigiert habe, ich möchte gerne die Produktionen, für die ich verantwortlich bin, gut machen. Alles Andere ergibt sich dann.

K4K: Ist es eher Konzert oder Oper, wo die Leidenschaft liegt?

FG: In den nächsten Jahren ist es auf jeden Fall Oper, das ist vorgegeben. Prinzipiell ist immer dort die Leidenschaft, woran man gerade arbeitet.

K4K: Und am Abend, im Auto, Klassik? Oder auch Jazz, Pop oder andere Musik?

FG: Querbeet. Ich habe viel Jazz gespielt. Auch gute elektronische Musik oder Pop kann mir gefallen. Ich bin abends auch nicht nur im Stefaniensaal, sondern auch gerne einmal im Parkhaus. [Anm.: ein Lokal im Stadtpark von Graz]

Klassische Musik hat mit Interesse zu tun. Das muss man wecken.

K4K: Wie kann man jungen Menschen erklären, dass klassische Musik noch zeitgemäß ist?

FG: Das hat immer mit Interesse zu tun, das muss man wecken. Popmusik besteht aus ein paar Harmonien, die kommen ja in der klassischen Musik oft vor. Da kann man gute Querverweise finden.

 

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