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Michael Nemeth - kein typischer Vereinsobmann

Wir trafen Michael Nemeth zum Gespräch. Er ist der Obmann des Musikvereins für die Steiermark. Das Wort "Verein" erinnert uns ja mehr an Fußball, Fischerei oder Hundzucht, hier aber geht es um etwas ganz Anderes. Das Jahr 2014/15 stellt das 200. Jubiläumsjahr des Musikvereins dar und das Staraufgebot lässt sich kaum noch überbieten. Welche Arbeit dahinter steckt. Jonas Kaufmann, Maris Jansons oder Elina Garanca dem steirischen Publikum präsentieren zu dürfen, darüber haben wir gesprochen. Und über viel Notwendiges, das der Beruf so mit sich bringt. Macht aber nix, ist der Traumberuf, sagt Dr. Michael Nemeth.

 

 

 

K4K: Was machen Sie eigentlich? Was tut ein Generaldirektor den ganzen Tag?

MN: Ich muss schauen, dass Konzerte statt finden. Die künstlerische Planung liegt in meiner Hand. Viele wissen nicht, dass Konzerte schon sehr lange geplant werden müssen, bevor sie dann wirklich statt finden. Ein Konzert, das im Juni abgehalten wird, hat eine Planungsphase von ungefähr zwei Jahren vor sich. Ich überlege mir, welche Künstler will ich einladen, was soll am Programm stehen, welcher Termin wäre möglich... Ich habe auch viele wirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Der Musikverein bekommt ein Budget für ein Jahr (Anm.: das ist das Geld, das für ein Jahr ausgegeben werden darf).

Ein Konzert, das im Juni abgehalten wird, hat eine Planungsphase davor von ungefähr 2 Jahren.

Ich muss abschätzen, wie viele Menschen werden die Konzerte besuchen, wie viel Geld bekommen wir über Sponsoring herein (Anm.: von Firmen oder Privatpersonen, die den Musikverein mit Geld unterstützen). Viele glauben, wir könnten uns selber erhalten, ohne Sponsoring aber könnten wir nur ungefähr die Hälfte des Programmes verwirklichen. Die Mitglieder zahlen auch ihren Mitgliedsbeitrag, wir sind ja ein Verein.

Es gibt drei Budgetsäulen: das Sponsoring, die Eintrittsgelder und die Finanzierung durch die öffentliche Hand. Die drei Säulen muss ich so gut ausgleichen, dass wir unser Programm durchführen können.

K4K: Geht sich die Finanzierung jedes Jahr gut aus?

MN: Ja und nein. In manchen Jahren müssen wir Rücklagen angreifen, dann gibt es wieder ein Jahr, wo wir Rücklagen bilden können. Wie in der Wirtschaft ist es auch bei uns. Leider wird es immer schwieriger, weil das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen einfach verrutscht. Alle möglichen Kosten steigen auch. Und Kleinvieh macht auch Mist.

K4K: Macht Ihnen Ihr Beruf immer Spaß? Ist es Ihr Traumberuf?

MN: Ja, das ist er.

K4K: Was wollten Sie denn als kleines Kind werden?

MN: Ich hatte verschiedene Ideen. Arzt wäre ein Wunsch gewesen, die Medizin hat mich interessiert. Als Teenager wollte ich Jurist werden, Staatsanwalt. Ich habe auch ein Semester Jus (Recht) studiert, bin dann aber wieder zur Musik gekommen.

K4K: Hatten Sie nicht Angst, in einer Stadt wie Graz in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten?

MN: Das war nie geplant. Nach der Matura bin ich nach Wien übersiedelt, habe Praktika bei der Staatsoper, Festivals und so weiter gemacht. Da habe ich nie gedacht, ich würde nach Graz kommen. Es war auch nichts frei. Unerwartet ist eine Person im Musikverein in Pension gegangen, die die Öffentlichkeitsarbeit gemacht hat und Dramaturgie, da hat man mich gefragt, ob mich das interessieren würde. Ich habe gezögert, weil es bedeutete, mich in eine alte Struktur einzugliedern. Da ist es schwierig, etwas Neues einzubringen, weil verschiedene Generationen am Werk sind.

Im Endeffekt hat das wunderbar funktioniert. Ich habe den Betrieb auch gut gekannt und bin zusätzlich ein Mensch, der diplomatisch ist und sich schnell auf momentane Verhältnisse einstellen kann. Den Schritt habe ich nicht bereut.

Den Schritt, nach Graz zu gehen, habe ich nie bereut. Und ja, es ist mein Traumberuf.

Was ich nicht wusste war, dass die damalige Leiterin so bald in Pension gehen würde. Ich hätte nach Hamburg in die Staatsoper gehen sollen - in die Direktion. Das hätte mich sehr interessiert. Auf einmal war ich im Gespräch um den Nachfolger. Innerhalb einer Woche musste ich mich zwischen Hamburg und Graz entscheiden. Als ich Hamburg absagte hatte ich noch keine Zusage von Graz.

K4K: Was waren die Argumente für Graz?

MN: Die Herausforderung in Graz war viel größer, der Job war wesentlich schwieriger aber auch viel interessanter. Hier war es mehrfach möglich, mich kreativ zu entfalten. Mittlerweile bin ich mit 36 Jahren der älteste im Büro. Es ist mir wichtig, dass so ein altes Thema wie die klassische Musik von jungen Leuten bearbeitet wird.

K4K: Wenn wir von jungen Leuten sprechen, haben Sie das Gefühl, dass sich das Publium erneuert und genug Publikum nachkommt?

MN: Ich erinnere mich, mein Vater war Student in Wien, ist ab 1950 ins Konzert gegangen und er hat mir immer gesagt, es wären so viele alter Leute im Konzert. Das ist inzwischen 65 Jahre her. Es muss also Nachwuchs geben. Ich glaube dennoch, dass das multimediale Angebot ein Problem darstellt. Man kann sich alles herunterladen und im Netz ansehen. Das ist ein Konkurrenzdruck.

Mein Vater hat schon vor 65 Jahren gesagt, es gäbe keinen Nachwuchs in Konzerten.

K4K: Für Kinder bieten Sie ja die AMABILE-Reihe und eine Kooperation mit der Jeunesse?

MN: Die Jeunesse Kooperation haben wir schon sehr lagen, war aber immer an umtriebige und aktive Personen gebunden. Generalproben der Grazer Philharmoniker hat man schon damals geöffnet und ein eigenes Jeunesse-Abonnement angeboten. Dazwischen war eine Durststrecke wegen der Distanz Graz - Wien. Heute funktioniert es sehr gut und ist auch gut besucht, wenn ein Jeunesse Konzert statt findet.

K4K: Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

MN: In meinem Bereich hat man das Hobby zum Beruf. Das hat Nachteile und Vorteile. Man kann keine Grenzen ziehen. Durch die Abendveranstaltungen zieht sich der Arbeitstag bin spät in den Abend. Ohne Leidenschaft ginge das nicht.

K4K: Zipft Sie das nicht manchmal an?

MN: Eigentlich nicht. Es gibt schon Situationen, wo man in der Früh um 9 Uhr denkt "heute komme ich wieder erst um 1 Uhr nach Hause", aber beim Konzert selber weiß man, warum man das tut.

K4K: Ist irgendwann ein gravierendes Hoppala passiert?

MN: Im Konzert gibt es immer wieder Problemfälle, dass bei einem Liederabend der Sänger den Text vergisst oder so etwas. Menschliche Fehler passieren einfach.

K4K: Ist es oft schwierig, den Sonderwünschen der Künstler gerecht zu werden?

MN: Das ist ein Gerücht. Das sind durchgehend Profis, die ihren Status nur deswegen haben, weil sie so professionell arbeiten. Jede Tour von solchen Stars ist gut vorbereitet, weil die sind ja viele Tage im Jahr unterwegs. Selten passiert es, dass wir zu Mittag erfahren, dass ein Künstler nicht auftreten kann, dann rufen wir alle Mitglieder an, um sie zu informieren. Das ist unser Service.

K4K: Sie haben einmal gesagt, Ihr erster Kontakt zu Musik findet im Auto statt. Welchen Radiosender hören Sie?

MN: Ö1. Meist das Morgenjournal. Abends dann höre ich schon auch andere Musik. Ich soll ja informiert sein. Meine Passion liegt aber bei der Klassik, da habe ich auch meine Ausbildung gemacht.

K4K: Sie versuchen immer wieder, junge Künstler in den Musikverein zu bekommen. Wie geht das vor sich?

MN: Ich bekomme viele CD's geschickt, die ich mir anhören sollte. Ich gehe aber auch gerne an die Musikuniversitäten oder an das Konservatorium und höre mir junge Musiker an. Auch Pädagogen empfehlen mir ihre Leute.

K4K: Wie reagiert das Publikum auf Neuentdeckungen? Bei einer Anna Netrebko rennen Sie Ihnen ja die Türen ein. Was aber bei jungen Künstlern?

MN: Mit jungen Künstlern ist es schwierig, Geld zu machen und einen Konzertsaal zu füllen. Wir haben uns da aber Möglichkeiten wie das Bonuskonzert ausgedacht.

Mit jungen Künstlern ist es schwierig, Geld zu machen.

K4K: Nach dem Jubiläumsjahr, wie wollen Sie das Publikum nach all den Größen noch zufrieden stellen?

MN: Die Liste derer, die noch kommen können, ist lang. Ein Daniel Barenboim war noch nie da, Ricardo Muti hat gesagt, dass er gerne wieder hier spielen würde. Wenn der Zubin Metha in zwei oder drei Jahren wieder kommt wird das wieder ein tolles Ereignis. Natürlich muss ich versuchen, den "Overkill" langsam abzubauen. Wir bauen aber nicht nur auf Namen, sondern haben auch tolle Projekte. Das "Konzert für Menschenrechte", das wir jährlich anbieten - als einzige Organisation in Österreich.

K4K: Wie ist es zu diesem Konzert gekommen?

MN: Es ist mir selber ein großes Anliegen, ich habe aber auch mit Krysztof Pendercki eine Kooperation angedacht, eine "Symphonie für Menschenrechte", die wir in Auftrag geben. Junge Menschen von der Kunstuniversität sollen sich diesem Thema nähern. Das bringt dann auch junge Menschen.

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