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Mischa und Lily Maisky - es sind die Gene!

Mischa und Lily Maisky. Schon die Namen verraten einen musikalischen Klang. Sie zusammen zu sehen ist Inspiration pur. Mischa spielt das Cello und man merkt, es verbindet ihn eine gewisse Liebe mit dem Instrument selbst. Lily ist seine Tochter, das älteste der inzwischen sechs Maisky-Kinder, die aus zwei Ehen hervor gegangen sind. Lily spielt das Klavier und hat sich schon sehr weit im Konzertgeschäft voran gearbeitet.

Wer Mischa nicht kennt sieht an seinem Erscheinungsbild, dass er irgend ein "Künstler" sein muss. Er strahlt es von Kopf bis Fuß aus. Ganz unüblich tritt er nicht im Anzug, sondern in bequemer Kleidung auf, die ihm die Bewegungsmöglichkeiten bieten, die er für das Spielen seines Instrumentes benötigt. In Russland ist er aufgewachsen, wo er sogar zwei Jahre in einem Arbeitslager eingesperrt wurde - weil seine Schwester Russland verlassen hatte. Eines Tages hat er sich dann Richtung Israel aufgemacht. Heute lebt er in Belgien mit seiner zweiten Frau, die vor wenigen Wochen gerade ein Mädchen bekommen hat. Kind Nummer sechs für Mischa Maisky.

Lily, die erstgeborene Tochter aus der ersten Ehe mit einer Amerikanerin, hat mit vier Jahren begonnen, Klavier zu lernen. Heute tritt sie mit vielen Musikern, auch mit ihrem Vater auf.

K4K: Lily, wer ist sturer, Sie oder Ihr Vater?

LM: Gute Frage (kichert), ich würde sagen er, aber wir haben bestimmt beide unsere Fähigkeiten. Er hat aber weit mehr Erfahrung und ich höre doch darauf, was er mir zu sagen hat.

MM: Ich höre aber schon auch darauf, was Lily zu sagen hat. Generell ist es einfach wichtig, immer offen zu bleiben, egal, mit wem jemand zu tun hat. Je länger du lebst, desto mehr wird dir klar, dass du wenig weißt. Kleine Kinder im Alter von 5 oder 6 Jahren glauben immer, sie wissen alles. Das ist normal. Je älter sie dann aber werden, desto klarer wird ihnen, dass es immer etwas zu lernen gibt.

Je länger du lebst, desto mehr wird dir klar, dass du wenig weißt.

K4K: Warum haben Sie so früh geraucht? (Mischa hat einmal erwähnt, dass er mit 8 Jahren aufgehört hat, zu rauchen)

MM: Oh, das war eine große Dummheit. Mein Vater war ein Kind, das zwischen zwei Kriegen aufgewachsen ist, ohne Eltern, nichts zu essen... Er konnte nicht aufhören. Ist auch an Krebs gestorben. Vorher aber hatte er immer eine Truhe voll Zigaretten und er merkte nicht, dass ich im Kindergarten immer wieder Zigaretten gestohlen hatte. Von fünfeinhalb Jahren bis acht Jahre habe ich dann geraucht. Es war aber mehr ein Ausprobieren. Mit acht habe ich dann eine große Zigarre in die Hände bekommen. Als ich diese inhalierte wurde mir so unglaublich schlecht, da habe ich für immer die Finger vom Rauchen gelassen. Es ist eine gefährliche Angewohnheit.

K4K: Würden Sie sagen, Sie hatten eine harte Kindheit?

MM: Das kann man so oder so sehen. Wenn ich daran denke, wie ich aufgewachsen bin war es nicht so einfach damals. Ich war das letztgeborene Kind in meiner Familie und meine Mutter wurde nach meiner Geburt krank. Mein Vater verlor seine Arbeit wegen der Situation mit Stalin. Wir hatten wenig Geld. Auf der anderen Seite habe ich aber auch keine schlimmen Erinnerungen an damals, ich konnte in eine gute Musikschule gehen. In meiner Familie wurde immer musiziert, dadurch war es für mich selbstverständlich, etwas mit Musik zu machen.

In meiner Familie wurde immer musiziert, daudrch war es für mich selbstverständlich, etwas mit Musik zu machen.

K4K: Haben Sie eine normale Kindheit gehabt, waren Sie glücklich, Lily?

LM: Was ist schon normal? Natürlich hatte ich auch eine nette Kindheit, das Studium der Musik war für mich immer schön. Ich habe mir auch nie gewünscht, dass mein Vater einen Job hat, wo er jeden Tag um fünf nach Hause kommt. Einzig die Schule, die ich bis zu meinem 14. Geburtstag besuchte, die war nicht so schön. Ich war alleine, konnte mich nicht so einfügen, war eher still und zurückgezogen. Dann aber ging ich mit meinem Bruder nach England auf eine Musikschule, wo alle Musik machten. Es war einfach herrlich dort!

K4K: Hatten Sie Heimweh dort?

LM: Am Anfang hatte ich Umstellungsschwierigkeiten - um neun Uhr im Bett sein und so weiter. Aber all die Menschen, die mit mir Musik machten, waren sehr nett.

K4K: Mögen Sie Österreich?

LM: Sehr. Von Graz kenne ich noch nicht so viel, aber Wien ist wunderschön. Ich habe viele Freunde dort.

K4K: Sie reisen sehr viel. Ist das auf Dauer nicht anstrengend?

LM: Es ist von Monat zu Monat unterschiedlich. Einen Monat überschlagen sich die Termine, im nächsten Monat hast du garnichts. Das ist noch recht unausgeglichen bei mir. Aber ich liebe das Reisen.

K4K: Gerade in Österreich wird es immer schwieriger, gute Musiker heran zu züchten. Kinder wollen nicht mehr mit der nötigen Intensität ein Instrument spielen und so finden sich auf den großen Konzertbühnen weniger und weniger Nachwuchsmusiker aus Österreich. Wer hat Ihnen dazu verholfen, dort hin zu kommen, wo Sie heute sind, Lily?

LM: Meine Mutter und mein eigener Wille haben dazu geführt. In meiner Schule in England mussten wir schon eine Stunde vor dem Frühstück üben, nach dem Unterricht noch einmal mindestens zwei Stunden. Mit meinem Bruder habe ich eigentlich nie zusammen gespielt, obwohl wir gemeinsam in England waren. Ich warte immer noch darauf, dass wir das machen.

K4K: Wenn Sie einmal Kinder haben, wollen Sie dann, dass diese auch ein Instrument spielen?

LM: Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, ob Kinder in meine Lebensplanung passen.

MM: (wirft ein): Darum muss ich ununterbrochen Kinder bekommen (lacht).

LM: WENN ich aber Kinder bekäme, dann würde ich schon wollen, dass sie ein Instrument erlernen, zumindest den Zugang zur Musik finden.

K4K: Woher kommt denn Ihr tolles Cello?

MM: Aus Italien, aus Venedig. Ich bin sehr glücklich, dass mich dieses Cello vor fast 42 Jahren gefunden hat.

K4K: Warum sollten Kinder ein Instrument spielen oder klassische Musik hören?

MM: Schade, dass mein zehnjähriger Sohn nicht hier ist, er schreibt gerade in der Schule einen Aufsatz über diese Thema. Viele wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder, die früh mit klassischer Musik in Kontakt kommen, ihr Gehirn besser entwickeln können.

Kinder, die früh mit klassischer Musik in Kontakt kommen, entwickeln ihr Gehirn besser.

LM: Nicht nur Kinder, die Gehirne von Musikern sind besser entwickelt als die von Menschen, die keine Musik erleben.

MM: Natürlich! Der Kontakt mit Kunst hilft Kinder, bessere Menschen zu werden. Gewalt wird verringert, der Bezug zur Natur wird hergestellt... Ich bin davon überzeugt, dass, würden Menschen mehr Musik machen, es gäbe weniger Konflikte und Kriege auf der Welt.

LM: Ein Freund von mir ist ein Neurowissenschafter (jemand, der sich mit dem Gehirn beschäftigt), sie hat mich getestet und gemeint, mein Gehirn funktioniert viel besser als bei Menschen, die es nicht so gut ausnützen.

K4K: Danke vielmals für das nette Interview. Gibt es noch etwas, dass Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

MM: Ja, ein Sprichwort: "Wenn Engel für die Götter Musik machen, spielen sie Bach. Wenn sie für sich selber Musik machen spielen sie aber Mozart" (lacht).

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