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Friedrich Kleinhapl - wahre Größe am Cello

Friedrich Kleinhapl, geboren 1965, wurde nach seinem Studium an der Grazer Musikhochschule in Paris ausgebildet. Für ihn war es nie "nur" Musik sondern immer auch das Interesse an der Wissenschaft dahinter. Unter Mitwirkung eines Anatomen und eines Biomechanikers entwickelte er eine eigene, unkonventionelle Spieltechnik. Er ließ sich auch einen für ihn eigens entworfenen Stuhl bauen und sein Cello so verändern, dass er es auch bei seiner Körpergröß optimal spielen konnte.

Schon früh musizierte er mit den Großen der Musikszene, darunter Claudio Abbado, Lord Yenuhi Menuhin oder Tibor Varga.

Antonio Stradivari in seiner Werkstatt in Cremona
Seit 2003 spielt er mit dem deutschen Pianisten Andreas Woyke im Duo. Für viele der CD-Einspielungen durften sie Preise übernehmen und Ehrungen erhalten.

Sein Violoncello ist aus dem Jahre 1743 und wurde von Giovanni Battista Guadagnini hergestellt.

Valery Gergiev, der russische Dirigent und "Entdecker" von Anna  Netrebko, meinte einmal über ihn: "Friedrich Kleinhapl ist einer der vielversprechendsten Musiker einer neuen, jüngeren Generation".

Interview

K4K: Wie schaut der Tagesablauf des Cellisten Friedrich Kleinhapl aus?

FK: Das ist eine schwierige Frage, weil es sehr unterschiedlich sein kann. Mancher Tag bedeutet Üben von Morgen bis Abend, manche Tage bekomme ich mein Cello gar nicht in die Hände, weil noch so viele andere Projekte zu entwickeln sind, Meetings abgehalten werden müssen und so weiter.

Ich bin ein sehr gefühlsbetonter Mensch, schon durch meine Lebensgeschichte.

K4K: Wenn man Ihnen beim Spielen zuhört möchte man nicht meinen, dass tagelanges Üben noch vonnöten wäre. Stoßen auch Sie noch an Grenzen?

FK: Generell wird auf dem Musiksektor versucht, Verbesserungen zu erwirken. Die Streicher sind vielleicht etwas konservativer und verwenden Spieltechniken, die es zu Zeiten Antonio Stradivaris (Anm. Stradivari war ein italienischer Geigenbauer um 1644, dessen Geigen noch heute bis zu 2,7 Millionen Euro in Versteigerungswerten erzielen) schon gegeben hatte. Mich faszinieren aber heutige, moderne Techniken und deren Auswirkungen auf das Musizieren.

K4K: Diese Ausführungen beweisen doch, dass Technik und Musik sehr viel miteinander zu tun haben und sich nicht ausschließen?

FK: Sie schließen sich ganz und gar nicht aus. Es ist auch so, dass Profimusiker sozusagen Hochleistungssport betreiben, wenn man das misst. Die Technik verlangt den Musikern sehr viel ab.
Ideal wird es, wenn die Technik auf Emotionen (Gefühle) treffen und beide Teile sich verbinden. Leider bemerke ich heute, dass sehr viel Wert auf Technik gelegt wird und die Gefühle, die für die Musik so wichtig sind, hinten angereiht werden. Es wird immer perfekter und dadurch steril.

K4K: Gibt es da Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen?

FK: Nein, das merke ich gar nicht. Als ich noch unterrichtet habe war es oft so, dass die Studierenden technisch sehr gut gespielt haben. Wenn ich sie dann aufgefordert

habe, die Gefühle mitzunehmen war auf einmal die Technik weg. Da krankt unser Musikausbildungssystem, durch die falschen Bewertungskriterien.

K4K: Wie hat Friedrich Kleinhapl es geschafft, seine Emotionen zu erhalten?

FK: Ich bin ein sehr gefühlsbetonter Mensch, schon durch meine Lebensgeschichte. Mein Heranwachsen war oft von Krankheit bestimmt, manchmal war ich so sehr an der Kippe, dass ich das Leben heute mit anderen Augen sehe.

K4K: Warum haben Sie eigentlich das Cello ausgewählt?

FK: Ich wusste schon mit 4 Jahren, dass ich Musiker werden wollte. Eigentlich wollte ich Dirigent werden und habe mit dem Klavier begonnen, bin dann aber auf das Cello gewechselt und dort hängengeblieben. Man kann sagen, dass Cello hat mich ausgewählt.

Kritik ist notwendig. Leider hatte ich sehr oft mit unklassifizierter Kritik zu tun, von Menschen, die überhaupt keine Ahnung davon haben, was sie da sagen.


K4K: Was ist so besonders am Cello?

FK: Das Cello ist sehr nahe am Körper, liegt an drei Punkten, den beiden Knien und dem Herzen, an. Man spürt die Vibration beim Spielen im ganzen Körper, das fasziniert mich. Ich bin auch überzeugt, dass mich das Cello geheilt hat.

K4K: Sollte Ihrer Meinung nach dann jeder junge Mensch ein Instrument spielen, um diese Gefühlswelt, die beim Musizieren entsteht, erleben zu dürfen?

FK: Absolut.

K4K: Wie gehen Sie mit Kritik um?

FK: Kritik ist notwendig. Wichtig ist, dass sie konstruktiv, also wohlwollend, gemeint ist. Leider hatte ich sehr oft mit unklassifizierter Kritik zu tun, von Menschen, die überhaupt keine Ahnung davon haben, was sie da sagen. Wenn man es aber schafft, das Gefühl von Verletzung oder Beleidigung zu überwinden, dann kann Kritik einen doch weiterbringen.

K4K: Hat die oft zitierte „Jugend von heute“ noch das Zeug dazu, große Musiker hervorzubringen?

FK: Das kann ich nicht so einfach allgemein beurteilen. Für mich ist nicht eine einzelne Eigenschaft von Bedeutung sondern eher Dinge wie die Kommunikation. Wie treten Erwachsene an junge Menschen heran? Hier gibt es große Unterschiede, wie Kinder und Jugendliche reagieren. Erwachsene sollten auch bereit sein, von der Jugend zu lernen und ihre Standpunkte wahrzunehmen. Eigentlich kann jeder Mensch von jedem anderen Menschen etwas lernen.

Ich glaube, der enge Konzertsaal mit der strengen Kleidung hat etwas ausgedient.

K4K: Welches Projekt steht als nächstes an oder wäre ein großer Traum?

FK: Mich beschäftigt sehr die Frage, wie es mit klassischer Musik überhaupt weitergehen wird. Welche Formen wird Klassik in Zukunft annehmen? Es wird etwas geschehen müssen, weil sich junge Menschen von der heutigen Form der klassischen Darbietung nicht angesprochen fühlen.
Ich glaube, der enge Konzertsaal mit der strengen Kleidung hat etwas ausgedient. Wertschätzung und Konzentration auf etwas sind durchaus positiv, jedoch muss den jungen Menschen mehr Freiheit geboten werden, um Klassik zu erleben und zu genießen.

K4K: Was macht ein „gutes“ Musikstück aus und nach welchen Kriterien suchen Sie dieses aus?

FK: Hier halte ich es mit Pythagoras (Anm. Pythagoras war ein antiker griechischer Philosoph um 570 vor Christus) und sage, ein gutes Musikstück ist, was zum richtigen Entwicklungszeitpunkt für den einen Menschen passt.
Ich bin glücklicherweise in der Lage, mir meistens aussuchen zu dürfen, was ich aufnehmen möchte.

Lange Jahre habe ich mich beispielsweise um die Beethoven-Sonaten herumgedrückt. Erst durch intensive Beschäftigung konnte ich einen Zugang finden, als ich merkte, dass das Bild, das allgemein von Beethoven gezeichnet wird, für mich so nicht stimmt.

 

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