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Erwin Schrott - er hat den Teufel im Blut!

Der Höhenflug hält an. Nach Rolando Villazón durften wir den beeindruckenden Bassbariton aus Uruguay treffen. Fälschlicherweise sehr oft durch seine ehemalige Verbindung mit Anna Netrebko in den Medien, ist er jede Erwähnung durch sein eigenes Tun wert.

Erwin Schrott erwartete uns im Backstagebereich (Anmerkung: Backstage heißt übersetzt "hinter der Bühne") der Wiener Staatsoper und nahm sich richtig viel Zeit für uns. Noch bevor er in den Raum kam, wo wir ihm die Fragen stellen durften konnten wir ihn schon hören - seine gewaltige Stimme schmetterte über die Gänge. Ein nettes Gespräch mit einem umgänglichen und offenen Menschen über Popmusik, der Liebe zu seinen Kindern und seiner Vergesslichkeit folgte, dazu noch eine spontane Führung auf die Hauptbühne der Wiener Staatsoper, das Vorstellen einiger Gesangskollegen und auch noch die Besichtigung seiner Garderobe. Nach beinahe einer Stunde verließen wir Erwin Schrott, der kurz darauf seinen Auftritt als "Mephistopheles" (Teufel) in der Oper "Faust" von Charles Gounod hatte. Was für ein Tag!

 

K4K: Sind Sie nervös, bevor Sie die Bühne betreten?

ES: Ein bisschen, ja. Das ist normal. Ich stehe vor ungefähr 3000 Menschen, singe ja live. Die Menschen erwarten von mir, dass ich wirklich gut singe, immer. Wenn ich dann auf der Bühne stehe schießt das Adrenalin ein - nicht, dass ich dann zittere, aber die Nervosität wird nicht zu stark. Ein bisserl Nervosität tut mir aber gut.

Als ich das erste Mal in der Oper auf einer Bühne gesungen habe war ich acht Jahre alt, ich bin also viel gewöhnt. Jetzt bin ich 41 und bin einiges gewöhnt.

K4K: Wollten Sie Opernsänger werden als Kind?

ES: Nein, ich wollte Weltraumfahrer werden. In Uruguay gibt es aber keine Raumfahrtsbasis, so dass dieser Plan leider nicht geklappt hat. Wäre sicher ein sehr cooler Job gewesen.

Als Kind wollte ich Weltraumfahrer werden, aber in Uruguay kann man nicht Weltraumfahrer werden. Es wäre sicher ein sehr cooler Job gewesen.

K4K: Hören Sie auch gerne Popmusik?

(Anmerkung: Erwin Schrott hat einen Sohn, Tiago, 5 Jahre alt, dessen Mutter die bekannte Opernsängerin Anna Netrebko ist. Aus erster Ehe hat er Tochter Iara, 16 Jahre alt, die in Uruguay wohnt)

ES: Den ganzen Tag, die ganze Zeit. Meine Tochter ist 16 Jahre alt und hört ununterbrochen Popmusik. Sie ist auch eine Tänzerin, Hiphop, hat sogar gerade den landesweiten Wettbewerb gewonnen und beim Wettbewerb für ganz Südamerika ist sie zweite geworden! Sie tanzt in einem Musical momentan, "Lucy in the Sky with Diamonds". Ich höre eigentlich all die Musik, die auch sie hört. Zusätzlich mag ich eigentlich jede Musik, Flamenco, Lieder, Salsa... ein bisschen von allem.

Ich liebe Popmusik. Ich höre eigentlich alles an Musik, was es gibt und vor allem das, was meine Tochter hört.

K4K: Mag Ihr Sohn auch Musik?

ES: Ich singe zu hause nicht, das wäre viel zu laut. Beide meiner Kinder kommen aber wann immer es geht zu einer Opernprobe von mir. Mein Sohn mag wirklich gerne Musik, er scheint damit geboren worden zu sein.

K4K: Waren Sie gut in der Schule, vor allem in Musik?

ES: Nein, absolut nicht. Ich war grottenschlecht. Vor allem, weil ich elendig schlechte Lehrer hatte. Meine Privatlehrer hingegen waren super. Die haben mich auch mit der Musik vertraut gemacht und mir die Liebe zur Musik beigebracht. Da habe ich gelernt, Musik zu lieben, so wie sie ist.

Als ich sieben Jahre alt war wollte mich mein Professor für den Chor haben. Ich wollte aber garnicht, weil ich damals viel lieber Rugby gespielt habe (Anmerkung: Rugby ist ein Sport). Daher habe ich beim Vorsingen ganz schlecht gesungen und er hat mich trotzdem genommen.

K4K: Haben Sie Vorbilder?

ES: Ja, meine Eltern. Sie singen nicht, zumindest nicht viel. Beide haben eine gute Stimme.

K4K: Haben Sie Haustiere?

ES: Ja, ein 17 Jahre alter Hund. Sie ist sehr alt, eine Lady, wunderschön. Ich war gerade in Uruguay und habe meine Familie gesehen und meinen Hund auch.

K4K: Haben Sie eine Lieblingsoper?

ES: Eigentlich immer die, die ich gerade singe. Ich versuche, das Schöne in jeder Oper zu finden. Der Mephistopheles in "Faust", den ich gerade singe, der ist schon besonders toll. Zynisch, viel Drama, ein bisserl verrückt... ein Charakter, der voll des Lebens ist. Mephistopheles kommt ja nur alle Ewigkeiten auf die Erde und da möchte er alles erleben, was möglich ist und dem Dr. Faust das Leben so richtig schwer machen. *lacht*

K4K: Haben Sie schon Rollen gespielt, wo Sie gedacht haben "das bin richtig ich"?

ES: Eigentlich kann man eine Rolle nur dann überzeugend singen, wenn man sich immer ein wenig drinnen wiederfindet. Bei Mephistopheles tut es mir aber richtig leid, dass ich zu der Sängerin, die Marguerite spielt (Anmerkung Sonya Yoncheva) so gemein sein muss. Sie ist so eine entzückende Person und außerdem bekommt sie noch ein Baby...

Eigentlich ist es wie bei Kindern. Wenn sie gerade ein Polizist oder Feuerwehrmann sind, dann glauben sie wirklich, sie sind jetzt Polizist oder Feuerwehrmann?

K4K: Ist es für Sie einfach, sich den Text zu merken?

ES: Schrecklich, nein. Ich vergesse den Text sehr oft. Je älter ich werde desto schwieriger wird es für mich.

Je älter ich werde, desto schwieriger wird es für mich, mir den Text zu merken. Schrecklich!

K4K: Sind Sie ein cooler Vater?

ES: Das sagen meine Kinder zumindest. Meine Tochter sagt mir "Du bist der beste Vater der Welt" und mein Sohn, der ja autistisch ist (Anmerkung: Autismus ist eine Entwicklungsstörung, bei der die Menschen nicht sehr viel Kontakt mit anderen Personen aufnehmen), sagt zu mir "I love dad" und ich glaube, ich bin so wichtig für ihn wie das iPad - das ist wirklich toll! *lacht*

 

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