Vogel
Startseite
Vogel
Über Klassik4Kids
Das Projektteam
Komponisten
Epochen
Instrumente
Oper4Kids
Musiklexikon A-Z
Veranstaltungen
Musikschulen
Musikunterricht
Musikbedarf
Veranstaltungen
Videos
Erklär mir ...
Made in Styria
Fragebögen
Newsletter

Marko Simsa - der große Geschichtenerzähler

MARKO SIMSA. Zwei Worte, die für so viel stehen. Zuerst einmal sehr viele musikalische Bücher, die jungen Menschen einen freudvollen Einblick in viele Themen rund um die (klassische) Musik geben sollen. Die zwei Namen stehen aber auch für einen ganz großen Mann, der mit den ganz kleinen Menschen sehr gut umgeht. Er ist unterhaltsam, spannend und immer wieder für eine Überraschung gut.
Marko Simsa ist inzwischen überall im deutschsprachigen Raum unterwegs, unser Bundesland besucht er aber jedes Jahr in der Grazer Oper mit „Alles Tanz“, einem bunten musikalischen Nachmittag, der zum Mittanzen, Mitsingen und Mitklatschen einlädt.
Klassik4Kids hat den musikalischen Geschichtenerzähler getroffen und mit ihm über dies und das geplaudert…

 

Interview

K4K: Wie hat alles begonnen?
MS: Angefangen hab ich ja als Siebdrucker (Siebdruck ist ein Druckverfahren, wo etwas durch ein feinmaschiges Gitter auf ein Material gedruckt wird), aber nebenbei habe ich schon bei einem Kindertheater mitgemacht. Dort habe ich gelernt, dass Animationen sehr wichtig sind und wie man die Aufmerksamkeit der Kinder bekommt. Die Mitmachelemente, die ich immer und in großem Maße einbaue, die habe ich immer schon gehabt. Noch weit, bevor es dazu irgendwelche Kongresse auf der Welt gegeben hat. Das ist auch das Typische in einem Marko Simsa-Konzert. Dass es etwas zum Singen, Tanzen oder Klatschen, Klopfen und Stampfen gibt.
Bei einem Konzert wird meistens nach ungefähr einer halben Stunde die Aufmerksamkeit der jungen Zuhörer etwas weniger und genau da kommt dann ein Tanz oder ein Lied oder etwas anderes zum Mitmachen. Bei mir ist das immer so aus dem Gefühl heraus gegangen.
K4K: Der Schritt von der Mitarbeit bei einem Kindertheater zu dem ersten eigenen Buch, wie hat der funktioniert?
MS: Das Buch kam erst viel später. Das erste Konzert aber kam relativ bald. Ich hatte schon lange den Gedanken, etwas zu Mozart zu machen. Es gab damals nicht viel oder eigentlich gar nichts und Mozart war auch mein erster Berührungspunkt mit der klassischen Musik. Mit ungefähr 11 Jahren habe ich meinem Vater die Platte zu Mozart abgeluchst und sie auf meinem Plattenspieler angehört. Sie hat geheißen „Mozart auf der Reise nach Prag“ und hat mir sehr gut gefallen. Dann hat auch noch ein bisserl der Zufall mitgespielt und ich wurde gebeten, etwas zu Mozart zu machen. Das war der Startschuss. Seit damals geht es dahin.
K4K: Bei dem ersten Mozart-Konzert für Kinder haben Sie sich hingesetzt und einfach ein Konzept geschrieben?
MS: Naja, ich komme ja nicht von der Musik. Ich habe mich mit den Musikern hingesetzt und sie haben mir auch Ratschläge gegeben, welche Stücke ich in mein Programm einbauen könnte. Heute ist es schon anders, weil ich natürlich viel mehr weiß und kenne, ich mich auch anders vorbereite. Wichtig ist immer noch die Überlegung, wie und bei welchem Stück könnten die Kinder mitmachen.

Wichtig ist immer noch die Überlegung, wie und bei welchem Stück können die Kinder mitmachen.


K4K: Wann kam dann das erste Buch?
MS: Da hat es noch gute 10 Jahre gedauert. In der Zwischenzeit habe ich weiterhin Konzerte gegeben. Als nächstes Projekt lag für mich auf der Hand, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ zu machen. Und den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens. Die Musik ist da, ich musste mir eine Geschichte rund um die Musik ausdenken. Bei mir sieht die so aus, dass zwei Affenkinder sich riesig auf den Karneval freuen, weil sie da auch die anderen Tierkinder treffen und mit ihnen jede Menge Spaß haben. Da kommen dann die Elefanten, die Fische, die Küken, die Löwen. Bei mir geht es aber immer um das Tierkind der Gruppe.
K4K: Woher nehmen Sie immer die Ideen?
MS: Es fällt mir ziemlich leicht, mir zu einem Musikstück eine Geschichte auszudenken. Das funktioniert ziemlich gut. Bei der Moldau (ein Stück von Bedrich Smetana, es beschreibt den Lauf eines Flusses) war die Idee, dass der Dirigent, der das Stück leiten soll, noch Zeit hat und die Leserinnen und Leser auf eine Reise entlang der Moldau einlädt. Er marschiert mit seinem Rucksack und sagt an verschiedenen Stellen, was gerade passiert. Zuerst kommt er zu den Quellen und erklärt, dass es zwei Quellen gibt, eine von den Querflöten, eine von den Klarinetten. Die vereinen sich und dann kommt erstmals das bekannte „Moldau-Thema“. Sie spazieren dann weiter und plötzlich beginnt am anderen Ufer die Jagd. Danach kommen sie zu einem Hochzeitsfest, wo eine Polka getanzt wird. Sie gehen weiter und werden müde. Es beginnt die Nacht, die besonders schön von der Oboe gespielt wird. Die Nymphen tanzen auf, von der Harfe sehr hörbar gespielt. Und so geht es weiter.

"Wir raufen bei Tag und saufen bei Nacht und fressen auf was der Tag uns gebracht. Rauben, raufen und saufen, badumm!"


K4K: Eigentlich ist das ja auch für die Erwachsenen etwas Neues?
MS: Richtig. Die Eltern sind meist ganz erstaunt, weil sie das Stück vielleicht schon oft gehört haben, aber noch nie so deutlich den Verlauf gesehen haben. Wir unterhalten also auch die Erwachsenen, aber nicht auf Kosten der Kinder.
K4K: Sie verwenden aber nicht immer Vorlagen. Manchmal denken Sie sich ja auch etwas ganz Neues aus?
MS: Das ist natürlich viel schwieriger. Die „Bremer Stadtmusikanten“ waren der erste Schritt, weil da die Musik neu erfunden werden musste. Mit Erke (Erke Duit, der Komponist der Musik) haben wir uns hingesetzt und überlegt, wo was passieren soll. Es war uns klar, dass, wenn die Tiere in die Räuberhöhle hineinschauen, die Räuber ein Räuberlied singen sollten. Das ist inzwischen der Hit bei den Kindern, weil sie singen: „Wir raufen bei Tag und wir saufen bei Nacht und fressen auf was der Tag uns gebracht. Rauben, raufen und saufen, badumm!“
Beim Zookonzert hatte ich einfach die Geschichte von der Rosalie, die nicht schlafen gehen möchte. Mit all ihren Tieren macht sie einen Zoo im Zimmer, ein Tier nach dem anderen kommt dann dran. Kuh und Schwein sind ineinander verliebt und haben die Stallromanze.
K4K: Welches ist Ihr Lieblingsbuch?
MS: Das ist schwer zu sagen, weil meistens ist es das, mit dem man sich gerade beschäftigt.

Kinder sind für mich das beste Publikum, das ich mir vorstellen kann. Neugierig, offen, ehrlich und spontan.


K4K: Können Sie immer gut gelaunt sein und mit Freude auf die Bühne gehen?
MS: Ich habe eigentlich so gut wie nie Zeiten, wo es mir sehr schlecht geht. Natürlich hat jeder einmal Kopfweh oder so etwas. Wenn ich aber auf der Bühne stehe, dann hat das für mich einen Zauber. Ich tu mir wahrscheinlich auf der Bühne leichter als im Leben (lacht). Lampenfieber habe ich auch nicht wirklich, weil ich sage, gegen Lampenfieber gibt es ein wunderbares Mittel – die gute Vorbereitung. Und langweilig wird mir mein Programm nie, weil ich sehr viel Abwechslung habe. Es kann schon vorkommen, dass ich einmal sechs Tage lang jeden Tag für zwei Konzerte dasselbe Stück spiele, aber dann kommt schon wieder etwas Anderes.
K4K: Ihr Publikum ist auch nicht einfach, weil Kinder sehr ehrlich sind. Wenn es ihnen nicht gefällt dann zeigen sie das relativ klar.
MS: Ich finde das Moderieren vor Erwachsenen weitaus schwieriger. Da habe ich das Gefühl, ich stehe vor einer Wand. Bei den Kindern gehe ich auf die Bühne und ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Da tue ich mir leichter. Kinder sind für mich das beste Publikum, das ich mir vorstellen kann. Neugierig, offen, ehrlich und spontan. Leerlauf während des Konzerts darf ich mir halt nicht erlauben, weil sonst plaudern die Kinder mit dem Nachbarn, balgen herum oder müssen aufs Klo.
K4K: Hat Sie die Arbeit mit Kindern und Themen für Kinder eigentlich jung gehalten?
MS: (lacht) Ich habe keine Ahnung, ich weiß es wirklich nicht. Mit 17 oder so habe ich schon gemerkt, dass Kinder auf mich zugehen und ich es auch sehr witzig gefunden habe, wie sie so tun. Aber ich will das nicht glorifizieren. Christine Nöstlinger hat erst kürzlich gesagt, dass ihr nicht alle Kinder sympathisch sind. Und sie untermauert das, indem sie meint, dass es ja nicht sein kann, dass plötzlich die Menschen, wenn sie 18, also erwachsen werden, zu Ungustln werden. Und vor allem Kinder sind ja immer in Zusammenhang mit ihren Eltern zu sehen. Bei einem Konzert wie bei „Alles Tanz“ sind nun einmal mehrere hundert Kinder und dann ist es natürlich nicht so toll, wenn Eineinhalbjährige im Saal herumlaufen und streng gesagt den Ablauf stören. Ein älteres Kind, das sehr aktiv mitmacht, ist für mich eine tolle Herausforderung. Da gebe ich gerne mein Bestes!
 

Luxusurlaub | Wanderurlaub
Inlandskonzerte | Auslandskonzerte
Oper | Kino
Winter | Sommer
Fernsehen | Lesen
Kaffee | Tee
Arbeitstag | Wochenende
spontan | organisiert
Hund | Katze
Zurück zur Übersicht