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STREIFzug durch die Welt der Klaviere

Seit über 100 Jahren gibt es das Klavierhaus Streif in der Steiermark. Wenn man genau schaut, so kann man beobachten, dass bei sehr vielen (Klavier)konzerten auf dem Flügel der Schriftzug "Streif" steht. Das bedeutet nicht, dass Streif diese Klavier auch gebaut hab, aber sie verleihen, stimmen und warten diese. Wir trafen Heimo Streif, den "Junior", der uns auf sehr ruhige und sympathische Art aus seinem Alltag erzählte. Warum es heute garnicht mehr so einfach ist, Lehrlinge zu finden und welche Erwartungen er an seine Söhne hat.

K4K: Haben Sie den Beruf des Klaviermachers richtig erlernt?
HS: Ich habe diesen Beruf noch richtig erlernt. Dreieinhalb Jahre Ausbildungszeit, dann hat man eine gute Basis. Das heißt aber nicht, dass man nach der Lehrzeit „fertig“ ist. Man hat nach der Ausbildungszeit noch sehr viel vor sich, bis man zum Beispiel bei einem Konzert ein Klavier stimmen darf. Das dauert noch einmal 5 bis 8 Jahre.
Man lernt die Reparatur, den Grundaufbau. Ich habe in Deutschland bei der Firma Schimmel gelernt, habe auch den Neuaufbau der Klaviere gelernt. Das ist in Österreich relativ schwierig, außer, man beginnt bei der Firma Bösendorfer.
K4K: War es Ihre eigene Idee, das Nest zu verlassen?
HS: Es hat sich einfach so ergeben. Zuhause, in der eigenen Werkstatt, wollte ich nicht als „Sohn vom Chef“ lernen. Ein anderer österreichischer Betrieb hätte mich nicht genommen. So verbrachte ich 3,5 Jahre in Deutschland.

Ich wollte nicht als "Sohn vom Chef" gelten. Ein anderer österreichischer Betrieb hätte mich nicht genommen.

K4K: Was haben Sie in der ersten Woche Ihrer Ausbildung gemacht?
HS: Einmal groß geschaut (lacht). Bei der Firma Schimmel hat es eine Lehrwerkstatt gegeben, in der jeder Lehrling ein Klavier bekommen hat, an dem er gearbeitet  und geübt hat. Vom ersten Tag an machten wir Stimmübungen – das ist das Langwierigste am Beruf. Für die erste Oktave, die ich gestimmt habe, habe ich mehrere Tage gebraucht.

K4K: Wie lange brauchen Sie heute?
HS: Vielleicht zehn Minuten…
K4K: Gab es auch Lehrlinge, die wieder aufgegeben haben?
HS: Ja. Man braucht ein sehr gutes Gehör und muss viel lernen.

K4K: Haben Sie wirklich alles an einem Klavier während der Ausbildung selber gemacht?
HS: Bis auf den Gussrahmen, der wird in einer Gießerei gemacht, macht man alles selber.

K4K: Gab es in den 3,5 Jahren auch Momente, wo Sie es aufgeben wollten?
HS: Eigentlich nicht. Natürlich kommt es zu einer

gewissen Eintönigkeit. Der Grundaufbau des Instruments wird ja von anderen Personen gemacht, Tischler etc. Klaviermachern machen die Endkontrolle, Intonieren, Stimmen. In der Feinausarbeitung.
K4K: Sollte man als Klavierbauer auch Klavierspielen können?
HS: Ja. Aber in meiner Freizeit spiele ich nicht Klavier, da bin ich recht froh, wenn ich kein Klavier sehen muss (lacht). Meine Kinder aber sollten schon ein Instrument erlernen, da ich der Meinung bin, dass Musik ein essentieller Teil unserer Bildung ist. Sie schafft einen Zugang zu so vielen anderen Bereichen, die das Lernen erleichtern und viele positive Begleiterscheinungen haben.
K4K: Als die Ausbildung abgeschlossen war, ging es geradewegs zurück in den Familienbetrieb.
HS: Ja. Ich ging direkt nach Graz, habe aber noch verschiedene Ausbildungen, Spezialkurse, gemacht. Man lernt viel von den „alten Hasen“ und schaut auch, dass in diesem traditionellen Handwerk nicht allzu viel verloren geht. Aus Büchern kann man einfach nicht alles lernen, man muss es auch erleben.
K4K: Hat jeder Klavierstimmer einen eigenen Stil?
HS: Bestimmt, ja. Es gibt heutzutage Stimmgeräte, die eine Linie vorgeben. Stimmen lernt man aber ohne Gerät. Das Stimmgerät dient nur zur Absicherung, wenn man einen Tag viel „um die Ohren hat“.

In meiner Freizeit bin ich ehrlich gesagt froh, wenn ich kein Klavier sehen muss.

K4K: Sie haben gesagt, man lernt von den „alten Hasen“. Kommen noch genug „junge Hasen“ nach?
HS: Das ist ein Problem. In Österreich gibt es leider so viele Ein-Mann-Betriebe, die keine Lehrlinge mehr ausbilden. Einige wenige größere Firmen bilden noch Lehrlinge aus. Wir werden auch im neuen Standort einen Lehrling aufnehmen. Ausgebildete Klavierstimmer in Europa sind schwer zu finden. Für Lehrlinge gibt es die Berufsschule in Wien, ansonsten wäre er bei uns in Graz. Mit unserem neuen Standort bietet sich die Ausbildung eines neuen Lehrlings richtiggehend an. Anfragen haben wir ja immer wieder. Burschen wie Mädls, die oft gerne Klavier spielen und etwas mit diesem Instrument anfangen möchten.

K4K: Der Gedanke, eigene Streif-Klaviere zu bauen, ist Ihnen nie gekommen?
HS: Nein. Mein Ur-Onkel hatte in Wien eine eigene Fabrik und hat für andere KLavierhäuser Hausmarkeninsrumente hergestellt - wie es die Asiaten heute machen. Das waren damals STreif-Klaviere. Heute ist in Österreich eine eigene Klavierfabrik undenkbar.
K4K: Hätte es den Familienbetrieb nicht gegeben, was hätten Sie gemacht?
HS: Den Gedanken gab es nie. Es war für mich immer klar. Bei meinen Söhnen erwarte ich es mir aber nicht, dass sie in meine Fußstapfen treten. Ich möchte allerdings schon, dass das Geschäft gut dasteht, wenn ich 65 bin. Klar, dass es mir gefallen würde, wenn einer meiner Söhne übernähme, aber da habe ich noch sehr lange Zeit (lacht).
K4K: Junge Menschen hören heute sehr laute Musik. Beeinträchtigt dies ihr Gehör so, dass sie eventuell den Anforderungen für diesen Beruf nicht mehr entsprechen?
HS: Die meisten jungen Menschen, die sich für den Beruf des KLavierstimmers interessieren, haben schon einen Zugang zur Klassik gefunden, die hören nicht so laut Musik.
K4K: WElche Musik hören Sie privat?
HS: Alles. Von Pop über Jazz über Klassik.
K4K: Finden Sie manchmal noch Lust und Zeit, ein Konzert zu besuchen, das nicht in den eigenen Räumen stattfindet?
HS: Ich werde im geschäftlichen Rahmen öfters zu Konzerten eingeladen und wenn es die Zeit zulässt, besuche ich das Konzert sehr gerne. Aber nur dann, wenn ich nicht zuvor das Klavier selber gestimmt habe. Das macht mich nervös. Ich weiß, dass ich es kann, aber jedes Instrument hat seine Eigenheiten.
K4K: Wie schätzen Sie die Steiermark als Musikland ein?
HS: Leider ist nicht alles Klavier, was musiziert wird, aber gerade in den Gemeinden ist die Musik stark verankert und ist auch Teil des öffentlichen Lebens. Es könnte natürlich noch mehr sein, da finanziell sehr viel eingespart werden muss, aber prinzipiell findet viel statt und die Nachfrage ist groß.

 

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