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Nikolaus Harnoncourt - ein Meister vieler Fächer

Nikolaus Harnoncourt | Foto: © Werner Kmetitsch
Bei der Eröffnung der styriarte 1985
Nikolaus Harnoncourt ist zwar kein Geburtssteirer, er wuchs allerdings in der Steiermark auf und begann seine internationale Karriere in diesem Bundesland. Für Klassik4kids öffnete er die Tore und erzählte, warum die Musik in der Familie eine so große Rolle spielen sollte, wie er seine Kindheit empfunden hat und warum er nicht sagen kann, welches Erlebnis in seinem Leben das Schönste gewesen war.

Geboren 1929 in Berlin als Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d'Harnoncourt-Unverzagt. Noch vor seiner Einschulung siedelt die Familie nach Graz, wo Nikolaus mit dem Cello- und Klavierunterricht beginnt. 1947 entschließt sich Nikolaus Harnoncourt, Musiker zu werden. Er studiert an der Wiener Musikakademie Cello und wird 1952 als Cellist bei den Wiener Symphonikern aufgenommen. Der Dirigent des Orchesters ist kein Geringerer als Herbert von Karajan.
Zur selben Zeit lernt er auch die Geigerin Alice Hoffelner kennen, die später seine Frau und lebenslange Musikbegleiterin werden sollte. Gemeinsam gründen sie 1953 den Concentus Musicus Wien mit der Absicht, die Musik der Renaissance und des Barock mit Originalinstrumenten und der damaligen Aufführungspraxis verstärkt auf die Bühne zu bringen.

Nikolaus Harnoncourt mit seinen Eltern und Geschwistern
Nikolaus Harnoncourt mit Alice Hoffelner
1972 wird Harnoncourt Professor für Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde am Mozarteum in Salzburg.
Auch als Dirigent kann er sich einen Namen in der Musikwelt schaffen. Sein Debüt 1971 am Theater an der Wien mit "Il ritorno d'Ulisse in patria" von Claudio Monteverdi öffnet ihm die Tore zur großen Musikwelt von der Wiener Staatsoper zum Züricher Opernhaus bis hin zur Mailänder Scala.

1985 wird die styriarte gegründet, um Nikolaus Harnoncourt enger an seine Heimatstadt zu binden. Seit beinahe 30 Jahren kehrt der Weltstar alljährlich nach Graz zurück, um leidenschaftlich und von außergewöhnlicher Qualität Werke der Klassik aufzuführen, die nationale und auch internationale Kritiker aus dem Schwärmen nicht mehr herausbringen. Jeder Besucher eines Abends mit Nikolaus Harnoncourt wird die Erinnerung an ein atemberaubend schönes Klangerlebnis wohl nie vergessen!

Interview

K4K: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
NH: So wie jeder Mensch - wenn es normal zugeht - durch die Familie. Wir waren sieben Kinder. Schon den Babys wurden Beruhigungs-, Freude-, Trauer- oder Schlaflieder gesungen, ab 3 bis 5 Jahren sangen wir selber, oft mit den Eltern. Auch jeder Schultag begann mit einem Lied, das alle Kinder sangen. Alle Kinder konnten singen - außer den "Brummern" - ca. 1 von 200. Mein Vater spielte jeden Abend Klavier, auch wir Kinder lernten alle ab 5 oder 6 Jahren ein Instrument. Ich mit 5 Jahren Blockflöte (mochte ich nicht!), ab 6 Jahren Klavier (gefiel mir der Klang nicht), ab 8 Jahren Cello (das war toll!).

Alle Kinder konnten singen - außer den “Brummern”

Die Kinderzeit war sehr getrübt durch die Verpflichtungen bei den Nazis (Jungvolk oder HJ - Hitler Jugend). Die Musik und das Singen halfen da.
Nach der Matura beschloss ich, Cello zu studieren. Es gab keine freien Tage, nur üben und Begeisterung. Ich wollte unbedingt in ein gutes Orchester. 40 Cellisten bewarben sich 1952 bei den Wiener Symphonikern, ich wurde genommen. Mit 22 heiratete ich Alice, eine Geigerin. Wir sind noch heute begeistert und machen immer wieder Neues.

K4K: Hat Sie als Kind schon die klassische Musik interessiert

 oder war die damals moderne Musik reizvoller?

NH: Der Unterschied existierte nicht so wie heute. Es gab Schlager oder Jazz. Mein Vater komponierte viele Schlager, aber auch Kammermusik. Jazznoten schickte mein Onkel aus den USA und mein Vater spielte diese staunend.

Nur der Mensch kann Musik machen. Das ist wohl ein Gottesgeschenk.

Das war eigentlich sehr gute Musik, ich konnte sie aber nicht spielen, nur hören.
Mit Schlagermusik verdiente ich etwas Geld für das Leben und das Studium in Wien. Es gab natürlich auch sehr schlechte, minderwertige Musik. Die interessierte mich nicht.
Klassik ist für mich die europäische Musik bis 1840. Modern ist, was heute komponiert wird: gut oder Mist.

K4K: Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?
NH: Sie war alles in allem sehr schön. Die Geschwister, die Eltern, die Riesenfamilie. Der Krieg und die Nazis machten uns Angst, auch die Armut und die Sorge vor der Arbeitslosigkeit. Aber grundsätzlich war die Kindheit herrlich!

K4K: Wo liegt der Reiz der Klassik? Wie können junge Menschen diesen verstehen?
NH: Die Frage ist für mich absolut unverständlich! Es geht hier doch
um Musik, die ist, ob "Reiz" oder nicht, ein absolut lebensnotwendiges Lebensmittel! Jeder Mensch müsste in irgendeiner Form Musik machen. Wenn er damit früh genug anfängt und die richtige Anleitung erhält, dann ist er bald so begeistert, dass er von alleine weitermacht.

K4K: Was war Ihr schönstes Erlebnis in Ihrem Leben? Hatte dies mit Musik zu tun?
NH: Es gab einfach zu viele!!!

K4K: Hat sich die Musik in Ihr Leben oder haben Sie Ihr Leben in die Musik eingefügt?
NH: Die Musik ist ja sowieso überall, die kann oder braucht man nicht "einfügen". Von Sibirien bis Feuerland - sie ist einfach überall! Nur der Mensch kann Musik machen. Das ist wohl ein Gottesgeschenk.

K4K: Was war Ihr größter Misserfolg bzw. Ihre größte Enttäuschung?
NH: Gespräche mit verständnislosen Meinungsbildnern oder Politikern.

K4K: Wie gehen Sie mit Kritik um?
NH: Die seltenen ernsthaften Einwände begrüße ich. Nur aus Kritik kann man lernen. Die häufigsten kritischen Bemerkungen sind bedauernswert unwissendes und inkompetentes Gebrabbel... also egal. Manchmal schade.

K4K: Was wäre Ihr bisher unerfüllter Wunsch?
NH: Er bleibt unerfüllt: Im Alter jung bleiben.

 

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